Schulgeld befeuert Fachkräftemangel – FDP fordert kostenfreie Ausbildung

Am vergangenen Mittwoch, den 09.Mai 2018, besuchten die Allgäuer Bezirkstagskandidaten der Freien Demokraten, Daniela Busse und Michael Käser, zusammen mit Gisela Bock, Kreisrätin im Oberallgäu, die Berufsfachschule für Physiotherapie und Ergotherapie des DEB (Deutsches Erwachsenen-Bildungswerk), um über eine kostenfreie Ausbildung in diesen Berufsfeldern zu sprechen. Seit Jahren gehen die Zahlen der Bewerber und Schüler in diesem Bereich zurück, obwohl der Bedarf an Fachkräften im Therapiebereich ständig steigt. Ähnlich wie in der Pflege leiden wieder die Patienten unter diesem Fachkräftemangel. Auch im Allgäu sind Wartzeiten von 4 bis 6 Wochen bis Therapiebeginn in einer Ergo- oder Physio-Praxis keine Seltenheit.

Dies läge aber weniger an der Attraktivität des Berufs, „sondern vielmehr an den hohen Kosten für die Ausbildung. Für das Berufsfeld gibt es sogar ein sehr großes Interesse bei den jungen Menschen. Problematisch wird es dann nur, wenn es um die Finanzierung dieser Ausbildungen geht“, erklärte Doris Lippmann, Dozentin für Ergotherapie, gleich zu Beginn des Gesprächs. Die Kosten für eine Ausbildung zum Ergotherapeuten oder Physiotherapeuten liegen zwischen 380 € und 410 € monatlich – auch für den praktischen Teil der Ausbildung in den entsprechenden Einrichtungen/Kliniken. Vereinzelt mussten bundeweit auch schon Schulen schließen aufgrund rückläufiger Schülerzahlen. Schulabgänger wählen bei einem riesigen Ausbildungsangebot lieber kostenfreie oder vergütete Lehrberufe wie bspw. Krankenpflege oder entscheiden sich gleich für ein Studium – bei dem aktuellen Fachkräftemangel eine weitere Katastrophe für die Therapie. Auch die Finanzierungen über die Arbeitsagentur wurden in den letzten 20 Jahren kaum noch bewilligt.

 „Die Finanzierung dieser Ausbildungen durch die Schüler muss der Vergangenheit angehören. Es kann nicht sein, dass ausgebildete Ergo,- und Physiotherapeuten weniger verdienen als Akademiker, gleichzeitig aber für die Ausbildung zwischen 15.000.- € und 18.000,- € Schulgeld aufbringen müssen, während ein Studium kostenfrei ist. Das ist schlichtweg ungerecht“, so Daniela Busse, Bezirkstagskandidatin für den Stimmkreis Kempten-Oberallgäu.

Ebenso stand die Gleichstellung von privaten und öffentlichen Trägern im Fokus des Gesprächs. Eine staatliche Einrichtung benötigt durch die bessere Bezuschussung keine zusätzliche Ausbildungsgebühr. Bundesweit gibt es jedoch nicht genug staatliche Schulen, die den hohen Bedarf an therapeutischem Nachwuchs decken könnten. Daher benötigt es die privaten Anbieter. „Auch hier im Allgäu gibt es keinen staatlichen Träger. Trotz der gleichen Qualität der Lehre an der privaten Schule müssen Allgäuer Schüler also schauen, wie sie sich ihre Ausbildung finanzieren. Und oftmals scheitert es leider tatsächlich daran“, so Schuldirektorin Dr. Iris Warnken.

„Durch eine kostenfreie Ausbildung – gerade auch bei privaten Trägern – wäre viel gewonnen. Nur so können im ersten Schritt mehr Menschen für diesen Beruf gewonnen werden, im zweiten Schritt muss dann auch eine bessere Vergütung folgen. Diese Punkte finden sich auch in unserem Bezirkstagswahlprogramm wieder“, so Michael Käser, Kandidat für den Stimmkreis Sonthofen-Lindau.

Die Schulgeldfreiheit wurde im Koalitionsvertrag der Großen Koalition verankert, ein zeitlicher Rahmen, bis wann diese umgesetzt wird, ist jedoch nicht abzusehen. „Schüler und Schulen brauchen zur Sicherung der therapeutischen Versorgung dringend Schulgeldfreiheit und deswegen werden wir dieses Thema auf allen drei Ebenen: Bezirk, Land und Bund fokussieren. Unser Bundestagsabgeordneter Stephan Thomae wird hier in der Opposition Druck ausüben“, so Kreisrätin Gisela Bock abschließend.


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